POETISCHES von Oskar STOCK: „Bevormundung“ – „Anlehnungsbedürftig“

Bevormundung

 

In jungen Jahren sind die Kinder …
bevormundet, später nicht minder,
von den Eltern, wie man weiß,
dank der Erziehung Rat und Preis.
„Esse deine Suppe auf“, so sagt man,
„Fertig mit der Hausaufgabe?“, fragt man,
„Mal den Kreis schön kugelrund“,
„Führ’ die Finger nicht zum Mund“.
Später heißt es: „Komm’ pünktlich heim“,
das Zimmer aufgeräumt muss sein;
„Sei nicht so schlampig, sei bemüht“,
ein Leben lang das gleiche Lied.
Noch später: „Hast du etwa Sorgen?“,
„Ist etwas? Soll ich Geld dir borgen?“,
„Sei strebsam im Beruf. Vertrag dich …
mit deinem Ehepartner“, sag ich.
„Gib nicht für Unsinniges viel aus“,
„Warum sparst du nicht auf ein Haus?“,
„Erzieh’ die Kinder nicht zu streng“,
„Sieh, so wie wir, nicht alles eng“.
Ganz später, die Eltern um die Achtzig,
der Nachwuchs Sechzig … und er macht sich,
meinen dieselben: „Zieh dich warm an –
weil man sonst Husten kriegen kann!“

Anlehnungsbedürftig

 

Die Weiblichkeit möcht’ allgemein,
nicht gern für sich alleine sein
und ist, was täglich sich beweist,
anlehnungsbedürftig, so zumeist.
So sieht man hier ein junges Paar,
die Oma drückt den Opa gar,
am Bräutigam hängt stolz die Braut,
und manche Frau zum Manne schaut.
Doch wird hierzu, sorgsam umhegt,
der Grundstein schon als Kind gelegt,
denn in der Wiege, noch ganz klein –
kann ohne Teddy es nicht sein.
Foto: O. Stock priv.

 

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